Ein Kleinod in der Kapelle Trögen
Manchmal steht das Besondere ganz unscheinbar bei uns herum. So wie unsere Prozessionsmadonna in der Kapelle Trögen. Wir haben sie von einem Fachmann begutachten lassen, von MMag. Othmar Lässer, und das Ergebnis ist erstaunlich.
Bei der Figur handelt es sich um eine bekleidete Prozessionsmadonna. Das heißt: Plastisch ausgearbeitet ist nur, was man sieht. Der Rest verschwindet unter dem Gewand. Diese Tradition kam ursprünglich aus dem spanischen Raum und war im Alpenraum lange beliebt. Datiert wird unsere Madonna in die Mitte oder zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vermutlich ist sie vor 1781 entstanden, denn mit den Josephinischen Reformen wurde solch barockes Brauchtum danach eigentlich verboten. Gut möglich, auch wenn es sich nicht beweisen lässt, dass sie genau deshalb aus der Pfarrkirche aussortiert wurde und so erst in die Kapelle kam.
Typisch für die barocke Volksfrömmigkeit ist auch ihr Haar aus Echt- oder Puppenhaar. Gewand und Frisur solcher Figuren wurden oft in Klöstern gefertigt. Das Kleid dürfte aus Brokat sein, und das Stickmuster ist wirklich fein gearbeitet. Dass uns die Madonna überhaupt erhalten geblieben ist, grenzt fast an ein Wunder. Weil diese Figuren kunsthistorisch lange als zweitrangig galten, gibt es nur noch wenige davon, und erforscht sind sie kaum. Umso schöner, dass eine davon bei uns in Trögen steht.
Eine herzliche Bitte zum Schluss: Die Krone bitte nicht selbst reinigen oder polieren. Dabei geht Gold verloren, die Vergoldung wird dünner, und im schlimmsten Fall lockern sich Schmucksteine oder das Bekrönungskreuz. Das übernimmt nur eine Fachperson. So bleibt das Kleinod auch für die nächsten Generationen erhalten.
Text in Anlehnung an MMag. Othmar Lässer, Diözesankonservator