Von Köhlern, Kapuzinern und einem Katzenschwanz: Aus der Chronik unserer Pfarre (Teil 1)
Hast du dich schon einmal gefragt, wer vor dir in unseren Kirchenbänken gesessen ist? Die Pfarrchronik von Eichenberg gibt darauf erstaunlich lebendige Antworten. Über mehr als hundert Jahre haben unsere Pfarrer darin festgehalten, was sie bewegt, gefreut und manchmal auch geärgert hat. Wir haben für dich darin geblättert. Weil es so viel zu erzählen gibt, bekommst du die Geschichten in zwei Teilen.
Eine Kirche aus Eichen und Fronarbeit
Eichenberg trägt seinen Namen nicht umsonst: Die vielen Eichen am Fuß des Fürbergs wurden früher zu Holzkohle für die Stadt Bregenz verarbeitet. Schon ab 1770 wünschten sich die Leute hier heroben eine eigene Seelsorgestelle. Über den Standort wurde natürlich gestritten. Trögen hätte die Kirche gerne am Platz der alten Bischofskapelle gehabt, mit 34 zu 20 Stimmen setzte sich aber der heutige Platz durch. Damit kam man auch der Parzelle Lutzenreute entgegen.
Ab 1829 wurde gesammelt, 1836 war Grundsteinlegung. Gebaut wurde in Fronarbeit, Spenden kamen aus ganz Vorarlberg und sogar aus Südtirol. Ein großer Förderer war Bernhard Galura, der erste Weihbischof von Feldkirch. Geboren wurde er übrigens als Bernhard Katzenschwanz. Für einen Bischof schien das wohl nicht ganz passend, also wurde der Name ganz offiziell in eine gelehrte Form gebracht: Aus Katzenschwanz wurde Galura. Ihm zum Dank wurde Bernhard von Clairvaux unser Kirchenpatron. Am 21. Jänner 1840, dem Agnestag, feierte Franz Sales Dörler hier die erste heilige Messe, geweiht wurde die Kirche am 21. Juni 1849. Bis 1873 war Eichenberg eine Expositur der Stadtpfarre Bregenz St. Gallus. Am 5. Juni 1873 wurde Eichenberg eigene Pfarre; erster Pfarrer war Josef Morscher aus Satteins.
Pfarrer mit Ecken und Kanten
Die Chronik ist kein Heiligenkalender. Über Provisor Ambros Karner steht 1866 nur ein einziger Satz: Die Eichenberger sollen ihm den Hund gestohlen haben. Josef Morscher wetterte gegen Kleiderpracht, Reifröcke und die Ausflüge der Musikanten an Sonn- und Feiertagen. Die Musikanten revanchierten sich, indem sie ihn beim Dekan anschwärzten. Die Volksmission von 1872 hatte „wegen der bestehenden Feindseligkeiten“ wenig Erfolg, notierte der Chronist trocken.
Besonders ans Herz gewachsen ist uns Pater Roman Lässer, ein Kapuziner, der mehrmals in Eichenberg aushalf. Er galt als fromm, sehr heiter und tüchtig und wurde trotzdem verklagt: zu viel Wein und Gitarre. Die Wahrheit war einfacher. Als armer Kapuziner hatte er kein Geld und bedankte sich für Gefälligkeiten eben mit einem Glas Wein. Der Bischof wies die Denunzianten ab. Ganz im Sinn unseres Kirchenpatrons, der nicht das Verbot, sondern das Maßhalten predigte.
Stille Helden
Es gibt auch die leisen Geschichten. Franz Tschofen verbrachte oft ganze Nächte bei den Kranken des Dorfes. Als 1880 die Blattern ausbrachen, besuchte Pfarrer Franz Xaver Hinteregger einen jungen Kranken aus Eplisgehr immer wieder. Der junge Mann wurde gesund, der Pfarrer steckte sich an und starb nach wenigen Tagen. Sein Nachfolger Adolph Rhomberg ließ den Pfarrhof sicherheitshalber mit Karbolsäure ausspritzen. Sogar das Testament wurde vor der Eröffnung „carbolisiert“.
Von fliegenden Fetzen und einer Faschingsandacht
Mit den Volksmissionen hatten die Pfarrer so ihre Erfahrungen. Nach der Mission von 1885 notierte Pfarrer Rhomberg sarkastisch, am ersten Sonntag danach sei am „Fiirberg“ schon wieder getanzt worden, „dass die Fetzen flogen“. Und der Bauer Josef Gorbach vermachte der Pfarre im Jahr 1900 eine stattliche Summe für eine jährliche Faschingsandacht. Die Erben waren verärgert, die übrigen Eichenberger wenig begeistert. Gefeiert wurde sie ab 1901 trotzdem.
Licht und Glanz
Pfarrer Michael Huber (1912 bis 1927) erneuerte die Kirche von Grund auf, und zwar wörtlich: Der feuchte Boden wurde bis auf den Felsen abgetragen, darauf kamen Mettlacher Platten, neue Bänke aus Eichenholz und sechs Holzstatuen aus dem Grödnertal. Als der Strom nach Eichenberg kam, zahlte er die Leitungen zu Kirche, Pfarrhof, Schulhaus und Kaplanhaus aus eigener Tasche. Stolz schrieb er, der Hochaltar erstrahle nun in herrlichem Lichterglanz, und im Pfarrhof brennen 25 Flammen „und nicht bloß 2 oder 3“. Die Gemeinde machte ihn zum Ehrenbürger. Er selbst fand: ganz gegen sein Verdienst.
Fortsetzung folgt
Im zweiten Teil erzählen wir dir, warum unsere Glocken gleich zweimal in den Krieg mussten, wie Eichenberg die schweren 1930er und 1940er Jahre erlebt hat und warum 1957 fast das ganze Dorf bei der Volksmission war. Freu dich auf den nächsten Newsletter!
Danke, Gottfried!
Dass wir so tief in die Geschichte unserer Pfarre eintauchen können, verdanken wir Gottfried Schwarzmann. Er hat die alte Pfarrchronik transkribiert und damit für uns alle lesbar gemacht. Auch diesen Text hat er durchgesehen und noch die eine oder andere Kostbarkeit beigesteuert, zum Beispiel die Sache mit dem Katzenschwanz.
Dein Newsletter-Team
Text in Anlehnung an die Transkription der Pfarrchronik von Eichenberg von Gottfried Schwarzmann sowie die Aufstellung „Seelsorger in Eichenberg“.